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Maria im Tournier

Maria, die
gute Frau, sollen wir in Demut immer viel loben!
Ein
Ritter hat sich entschlossen, immer nach dem höchsten ritterlichen Preis
zu streben. Kühn und weise
war er und dabei auch tugendhaft.
Maria nahm sich immer von seiner Minne viel Kraft, weil er ihr stets
treu und fleißig diente, bis er eines Tages wie gewöhnlich zum
Tournier reiten wollte.
Es
lag eine Kapelle, die man der heiligen, immer wandelsfreien Maria geweiht hat,
neben der Wiese, auf der das Tournier stattfinden sollte. In dem Augenblick, als sich der Ritter
recht ritterlich bewaffnet hatte und an der Kapelle vorbeiritt, hörte er
drinnen alle Pfaffen eine Reihe von Lobliedern singen. Der Ritter, der immer in Gottes
Gnade lebte, dachte sich dabei: "Es ist gut, daß ich hier
stehenbleibe und eine Marienmesse höre, wie es sich einem Christen
ziemt. Sie kann mich von aller
Leiden Not befreien , wie es Gott durch seinen Willen ermöglicht
hat."
Also
hieß er das Pferd an der Stelle stehenbleiben und begann, sich die Messe anzuhören. Doch sobald sie zu Ende kam, begann die
nächste, und er wollte sie unbedingt zu Ende hören, und dann fing die nächste sofort an. Was sollen hier die vielen Worte? Es wurden soviele Messen gefeiert,
daß er bis Mittag an der Stelle auf seinem Roß sitzenblieb. Seine Tugend und Frommigkeit hielten
ihn davon ab, die Messe auf ungeschickte Weise zu unterbrechen.
Endlich
durfte er weiter reiten. Er ritt
zur Wiese, wo er das Tournier zu finden glaubte. Es war ihm in der Kapelle, als wäre
während der Messen wenig Zeit verlaufen, und er hatte noch vor, an dem
Buhurt teilzunehmen. Doch, als er
dort ankam, war das Tournier zu Ende, und viele Leute ritten ihm entgegen und
sagten, daß er an dem Tage der tapferste Ritter überhaupt gewesen
sei. In der Tjost und im
Schwertkampf hatte man seit je keine solche Ritterschaft wie die seinige
erlebt. Es ritten ihm auch
Hunderte von besiegten und verzweifelten Rittern entgegen, die ihm ihre Rosse
und Rüstungen schuldig waren, und alle Ritter und Knechte sagten auf der
Stelle: "Es geschieht uns
auch richtig so, denn Sie haben heute auf ritterliche Weise uns das Gut, die
Ehre und auch den höchsten Preis genommen".
Der
Ritter wunderte sich darüber und begann, über diese Werke unserer
heiligen Maria nachzudenken und sich zu überlegen, wieviel Ehre sie ihm
dadurch erwiesen hat. Sie sollen
mir glauben." sprach er. "ich habe nichts dergleichen
begangen." Und er
erzählte ihnen dann die Wahrheit, wie es ihm vor der Kapelle ergangen war.
Dann
nahm der Ritter von dem Volk Abschied und auch von der bösen Welt, denn er
blieb danach gegen die Bitten der Frau Welt immer taub. Er nahm nicht mehr an solchen
Tournieren teil, wenn er bewaffnet war, sondern begang nur fromme Taten auf solche
Weise, daß er zum Marienritter geworden ist.
Gelobt
sei für immer die heilige Königin!